Ein Haus für Viele



Seit Beginn der 1990er Jahre hat der Freistaat Thüringen die soziokulturelle Infrastruktur unserer Dörfer gefördert, um diese zu erhalten, zu verbessern bzw. neu zu schaffen. So wurde in vielen Dörfern die Umnutzung von Gebäuden zu Begegnungsstätten unterstützt. Auf diese Weise sollte den Dörfern, die vielfältige Funktionsverluste hinnehmen mussten, bei der Schaffung eines neuen Mittelpunktes für Kommunikation und Dorfkultur geholfen werden. Diese Mittelpunkte sind in den Ortslagen vorhanden und werden gerne angenommen.

Unser Ziel ist es, die vorhandene Substanz und Struktur der ehemaligen Klosteranlage Anrode mit Leben zu erfüllen und bestimmte Objekte einer ganzheitlichen Nutzung zuzuführen.

Unter dörflichen Begegnungsstätten wurden in dem Projekt Treffpunkte bzw. Einrichtungen innerhalb eines Dorfes verstanden,

  1. welche der Kommunikation der Bewohner über verwandt- bzw. nachbarschaftliche Verhältnisse hinaus dienen,  
  2. die zur Festigung der Dorfgemeinschaft beitragen  und  
  3. die das dörfliche Gemeinschaftsleben bzw. die Dorfkultur wirksam beeinflus-sen.  

Nach dieser Definition zählen zu dörflichen Begegnungsstätten die klassischen Gemeinschaftseinrichtungen wie das Dorfgemeinschaftshaus oder das Vereinshaus. Zu den dörflichen Begegnungsstätten nach dieser Definition zählen aber auch all jene Treffpunkte im Dorf, welche neben ihrer eigentlichen Funktion zusätzlich der Kommunikation bzw. der Begegnung dienen. Dörfliche Begegnungsstätten spielen im Dorf eine wichtige Rolle. Sie sind ein Kommunikations- und Aktionszentrum, bereichern das Dorfgemeinschaftsleben, bewirken eine Identifikation mit dem Ort und tragen so zur Stabilisierung des ländlichen Raumes bei. Sie sind wesentliche Kommunikationspunkte und können über ihre Träger Multiplikatoren für neue Eigeninitiativen sein. 

Und so eben auch die Anlage des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters und Gutshofes Anrode.

Es liegt an einem Nebenweg des Klosterpfades, des Pilgerweges Loccum-Volkenroda. Hier ergeben sich Synergieeffekte für eine touristische Vermarktung der Klosteranlage Anrode. Dazu sind u. a. Übernachtungsmöglichkeiten dringend erforderlich.

Im Juni 2016 fand ein Künstler-Symposium im Kloster Anrode statt. Die Bauhaus-Universität Weimar führt ein Studentenprojekt in Bezug auf die Erhaltung der wertvollen Bausubstanz durch. Gelegentlich haben wir die Mühlhäuser Werkstätten für Behinderte e. V. zu Gast. Der Kulturbund, Abteilung Fotografie, hat einen sehr erfolgreichen Foto-Workshop mit anschließender Ausstellung durchgeführt. Die Ausstellung ist gegenwärtig in der Jakobikirche in Mühlhausen geöffnet.

Bereits erfolgreich ist z. B. als regelmäßige Veranstaltung ein Projekt „Yoga im Klos-ter“ zugange. Darüber hinaus finden viele Veranstaltungen musikalischer Art, ein Tier- und Bauernmarkt und viele Privatveranstaltungen statt.

Perspektivisch soll im Kloster Anrode die Generalversammlung der Charta der ehe-maligen Stätten und Klöster der Zisterzienser – Charté européenne des abbayes et sites cisterciens – stattfinden. Dieser Charta gehört auch die Klosteranlage Anrode an. Hier werden Teilnehmer aus vielen europäischen Staates erwartet: Frankreich, Italien, Spanien, England, Portugal, Dänemark und Tschechien. 

Und für all die Aktivitäten mangelte es an geeigneten Räumlichkeiten für Übernachtung, für Gruppenveranstaltungen, ordentlichen Sanitäreinrichtungen innerhalb der Klosteranlage. Das Potential ist da; es muss nur optimiert werden. Dies haben wir nunmehr mit Hilfe der Zuwendung durch den Freistaat Thüringen erreicht.



Wir haben die Ertüchtigung der vorhandenen Räume zu Schlafräumen, die Instand-setzung der sanitären Einrichtungen und perspektivisch den weiteren Ausbau des Untergeschosses zu Gruppenräumen in Angriff genommen.

In den bereits hergerichteten Zimmern sind neue Holzbetten aufgestellt werden, um hier einfache Übernachtungsmöglichkeiten für Gruppen- und Individualreisende zu schaffen, die auf dem Pilgerweg unterwegs sind oder an den verschiedenen Veran-staltungen teilnehmen.

Die Schaffung einer soziokulturellen Begegnungsstätte innerhalb der Klosteranlage leistet einen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität im Umland, der Ortsteilidenti-tät und der Förderung der sozialen Beziehungen der Generationen untereinander. 

Unsere Begegnungsstätte soll sich zudem mit unterschiedlicher Akzentuierung ver-schiedenen Aufgaben widmen. Heute sind vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit kreative Angebote bedeutungsvoll. In der Ortsteilarbeit (Ortsteilfeste, stadtentwick-lungspolitische Initiativen, Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen, Vereinen und Schu-len), in der Programm- und Veranstaltungsarbeit (Theater, Kabarett, Musik, Ausstel-lungen, Lesungen, Kino, Disco- und Tanzveranstaltungen), in der Seniorenarbeit (Kreativ- und Gesundheitsvorsorge-Kurse, soziale Versorgung, Geschichtswerkstät-ten, Tanzveranstaltungen, Buchausleihe) und in der Bildungsarbeit und politischen Arbeit (Seminare, Workshops, Bildungsurlaube, Diskussionsveranstaltungen, Sprachkurse) können Betätigungsfelder liegen, die wir ausschöpfen möchten. 

Hauptziel ist zur Verwirklichung der Projektziele die Ertüchtigung des „Alten Forst-hauses“, Klosterstraße 10, in der Klosteranlage Anrode zum Haus der Begegnung mit Übernachtungsmöglichkeiten, nutzbaren sanitären Anlagen und Gruppen- und Veranstaltungsräumen. Dieses Ziel haben wir zeitnah erreicht. Eine erste Hürde ist damit genommen. Eine offene Kommunikation von Erscheinungsformen des demo-grafischen Wandels in unserer Region und das Aushandeln und die Umsetzung von Lösungen in generationenübergreifenden Beteiligungsprozessen dienen der Reali-sierung der Ziele.

Durch die infrastrukturellen Voraussetzungen innerhalb der Klosteranlage schaffen wir die Grundlagen für die künftige nachhaltige Nutzung der vorhandenen Anlagen und legen den Grundstein für eine komplexe Nutzung und tragen somit auch zur Er-haltung der historischen Bausubstanz bei.

Der Förderkreis Kloster Anrode e. V. arbeitet eng mit der Unteren Denkmalschutzbe-hörde und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zusammen. Eine eigene Stiftung „Kloster Anrode“ innerhalb der Stiftung Deutscher Denkmalschutz schafft die finanzi-elle Basis zur sukzessiven Sicherung und Erhaltung und später zur Füllung mit Leben innerhalb der Klosteranlage. Das hier angeschobene Projekt soll ein Signal für Folgeprojekte sein, die sich aus der geplanten Veranstaltungsreihe und den Aktivitä-ten ergeben können. In Zusammenarbeit mit den gemeindlichen Gremien ist eine langfristige Nutzung des Areals abgestimmt und ein Nutzungsvertrag mit der Ge-meinde in Arbeit.

Geplant ist ein Monitoring gemeinsam mit dem Gemeinderat Anrode, dem Ortsteilrat und dem Vorstand des Förderkreises. Die Angebote, die Veranstaltungen und die Ergebnisse werden auf den Internetseiten der Gemeinde Anrode und des Förder-kreises dokumentiert.

Die sehr positive Resonanz auf das Veranstaltungsangebot im Kloster Anrode auch während der Bauphase lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken. Insbesondere der Ortsteilrat Bickenriede hat den Förderkreis tatkräftig bei der Umsetzung der Akti-onen begleitet und unterstützt. Wir werden die kommenden Wochen nutzen, das Projekt weiter auszubauen und die gesteckten Ziele umzusetzen. Der Erfolg ist offensichtlich. Ohne die finanzielle Unterstützung des Freistaates mit einer großzügigen Anteilsfinanzierung wäre das Vorhaben nicht oder nicht zeitnah umgesetzt worden. Nach Abschluss der letzten Arbeiten kann in den bereits hergerichteten Räumen das Haus für Viele als Gastgeber zur Verfügung stehen.