Landengel



In unserer heutigen Zeit wird es immer schwieriger, glücklich, zufrieden und nicht allein, auf dem Land alt zu werden. Denn die Auswirkungen eines umfassenden demografischen Wandels werden hier im ländlichen Raum mit besonderer Dynamik wirksam.

Dies stellt ein zunehmendes Problem auf unseren Dörfern dar. Bereits jetzt sehen sich viele ältere Menschen in ländlichen Regionen mit dem Problem konfrontiert, „Wer kümmert sich um mich, wenn ich nicht mehr kann?“. Die jüngere Generation sieht keinen Anreiz, auf dem Dorf zu leben. Sie zieht es in die Städte, wo es mehr Arbeitsplätze und Geld zu verdienen gibt. Damit verbunden ist ein weiteres Problem. Die mittlere Generation muss mehr Verpflichtungen übernehmen, d.h., dass sie in ihrer Sandwich-Position nun eine Mehrfachbelastung zwischen Berufstätigkeit, Familienaufgaben und Pflegetätigkeit koordinieren muss. Viele Dinge, wie eigene Wünsche und Ziele treten dabei in den Hintergrund. Das kann auf Dauer zur physischen und psychischen  Belastung der Familie und v.a. der Hauptpflegeperson führen. Somit ist oft die einzige Lösung, dass die Älteren ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen und in ein Pflegeheim einziehen. Gerade unser ländlicher Raum kann immer weniger auf Hilfe von außen hoffen. Es braucht deshalb ein regionaltypisches Profil, das Herausarbeiten von besonderen Stärken und ein gutes Zusammenspiel der örtlichen Akteure. Das Motto muss sein, eine Kooperation als Gegenstrategie zur globalen Konzentration.

Die medizinische und pflegerische Versorgung kommt nicht umhin, auf die zukünftigen Herausforderungen, wie die demografische Entwicklung, Personalmangel und Versorgungsengpässe, vor allem in der ländlichen Region zeitgemäß zu reagieren und ihre Strukturen entsprechend anzupassen. Durch ein im ländlichen Raum geschaffenes Netzwerk (von verschiedenen Akuteren) in der Behandlungskaskade, werden Arbeitseffizienz und der Kommunikationsfluss erhöht, sowie ökonomische Gesichtspunkte in Betracht gezogen.

"Wo der Staat seine Aufgaben nicht wahrnimmt, müssen wir es selber machen"

Genau mit dieser Problematik befasst sich das Projekt „Landengel“. Ein weiteres Vorhaben  der Stiftung Landleben ist der Aufbau einer Gemeinschaft aus gewerblicher und privater Hand, welche versucht einen  Weg zwischen Tradition und Zukunft zu finden und auch umzusetzen. Zusammen entwickeln wir ein regionales Gesundheits- und Pflegenetzwerk, in denen sich neben Ärzten, Therapeuten, Apotheken, Vereine, Schulen, Betriebe, die Dörfer und Menschen engagieren. Eine regionale Geschäftsstelle koordiniert die Abläufe und entwickelt eigene Versorgungsprogramme. Im Mittelpunkt steht der Mensch, der intensiv in seine Behandlung einbezogen und aktiviert wird. Umso den düsteren Prognosen von verwaisten Dörfern Visionen entgegen zu setzten, die eine lebenswerte Zukunft auf dem Lande sichern sollen. 

Das Projekt baut auf der Evaluation einer „Sofastudie“ auf. Dabei stellte sich heraus, dass es den Menschen vor Ort wichtig ist Mobil zu sein. Um diese Nachfrage aus den Dörfern der Stiftung Landleben zu decken, folgten wir 2016 dem Aufruf des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL) zur Förderung von Projekten zur Gestaltung der Folge des demografischen Wandels in Thüringen und beteiligten uns am Wettbewerbsverfahren „Zuschüsse für Maßnahmen und Projekte zur Sicherung der Daseinsvorsorge in den vom demografischen Wandel besonders betroffenen Regionen“ und erhielten eine Zuwendung in Höhe von 20.000 € für die Beschaffung eines Kleinbusses (Transporter). Somit kann nun das erste Teilprojekt der Landengel - einen Lebenshilfeservice - zur Daseinsvorsorge zuerst in den Dörfern: Blankenburg, Sundhausen, Kirchheilingen und Tottleben umgesetzt werden, denn am öffentlichen Leben teilnehmen möchte man in jedem Alter.

Deshalb bieten wir mit unserem Einkaufs- und Gesundheitstaxi einen Transportservice an, der es Senioren ermöglicht, auch ohne eigenes Auto mobil zu sein. Egal ob es zum Arzt, zum Einkaufen oder zu Ausflügen oder kulturelle Veranstaltungen gehen soll. Senioren können vom Fahrdienst zur vereinbarten Zeit zuhause abgeholt werden, auf Wunsch am Zielort begleitet und im Anschluss wieder nach Hause gebracht werden. 

Mit der Fahrzeugnutzung wird eine erst kleine kooperative Nutzung geschaffen, die mit der entsprechenden Publikation, die Grundlage für die Errichtung von Multifunktionszentren in den Orten darstellt.

Zu einem späteren Zeitpunkt soll dann die Einbeziehung von weiteren Nachbarorten vollzogen werden.

Mit der Anschaffung und der Nutzung dieses Kleinbusses ist der Grundstein für den Aufbau eines regionalen Gesundheits- und Pflegenetzwerkes gelegt worden.