Zahlen und Statistik

Ergebnisse zur 1. Gemeindebevölkerungsvorausberechnung (1. GemBv) in Thüringen

Mit der 1. Gemeindebevölkerungsvorausberechnung (1. GemBv) vom Dezember 2020 stellt das Thüringer Landesamt für Statistik (TLS) aktuelle Daten zur künftigen Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Thüringen auf Gemeindeebene bereit. Die 1. GemBv liefert Ergebnisse zur demografischen Situation für alle kreisangehörigen Gemeinden bis zum Jahr 2040 und bietet damit eine detaillierte Übersicht über die kleinräumige Bevölkerungsentwicklung in Thüringen.

Im Unterschied zur 2. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung (2. rBv) vom Juli 2019 verwendet die 1. GemBv das Jahr 2019 als Basisjahr sowie einen anderen Referenzzeitraum, weshalb die Ergebnisse sich leicht unterscheiden. Der in der 1. GemBv dargestellte Gebietsstand ist der 31.12.2020. Aufgrund der kleinräumigen Betrachtungen ist davon auszugehen, dass der Gebietsstand in den kommenden Jahren gewissen Veränderungen unterliegt.

Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Thüringens von 2019 bis 2040

Bis zum Jahr 2040 wird gemäß der 1. GemBv die Bevölkerungszahl im Freistaat auf 1.852.000 Personen sinken. Im Vergleich zum Jahr 2019 ist dies ein Rückgang um etwa 281.000 Personen bzw. 13,2 %. Dabei sind deutliche regionale Unterschiede zu erkennen (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Thüringens von 2019 bis 2040

Bevölkerungsentwicklung in der Altersgruppe 0 bis unter 20 Jahre

Insgesamt 58 kreisangehörige Gemeinden in Thüringen können bis 2040 mit einem Bevölkerungszuwachs rechnen. Dies betrifft neben zahlreichen Gemeinden im Umland der Städte Erfurt, Jena und Weimar auch einzelne Gemeinden im Saale-Orla-Kreis, im westlichen Teil des Landkreises Eichsfeld sowie in der Umgebung der Stadt Gera.

Die Mehrzahl der Thüringer Gemeinden wird bis zum Jahr 2040 jedoch einen signifikanten Bevölkerungsrückgang verzeichnen. Besonders markante Rückgänge von 25 % und mehr treten dabei gehäuft in Bereichen des Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges sowie in einigen Gebieten Nord- und Ostthüringens auf – Regionen, in denen bereits in den vergangenen Jahren ein überdurchschnittlicher Bevölkerungsrückgang zu beobachten war.

Die 1. GemBv liefert darüber hinaus einen Überblick über die künftige Bevölkerungsentwicklung in den Thüringer Gemeinden für verschiedene Altersgruppen. Bis zum Jahr 2040 wird die Zahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen (unter 20 Jahre) in 113 Gemeinden in Thüringen zum Teil deutlich zunehmen (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Bevölkerungsentwicklung in der Altersgruppe 0 bis unter 20 Jahre in den Gemeinden Thüringens von 2019 bis 2040

Bevölkerungsentwicklung in der Altersgruppe 20 bis unter 65 Jahre

Zuwächse in der Altersgruppe der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind für einzelne Gemeinden in fast allen Thüringer Landkreisen zu beobachten. Neben der Landeshauptstadt Erfurt liegt der Schwerpunkt hierbei vor allem auf kleinen Kommunen mit weniger als 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Für die meisten Thüringer Gemeinden wird hingegen bis zum Jahr 2040 mit einem Rückgang der Zahl der Unter-20-Jährigen gerechnet. Gemäß der 1. GemBv werden hiervon insbesondere periphere, ländlich geprägte Regionen in Thüringen betroffen sein. Insgesamt wird die Zahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Thüringen zwischen 2019 und 2040 um etwa 14,1 % abnehmen.

Die stärksten Veränderungen werden bis zum Jahr 2040 für die Altersgruppe der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) erwartet (vgl. Abb. 3).

Abb. 3: Bevölkerungsentwicklung in der Altersgruppe 20 bis unter 65 Jahre in den Gemeinden Thüringens von 2019 bis 2040

Bevölkerungsentwicklung in der Altersgruppe 65 Jahre und älter

Thüringenweit wird die Zahl der 20 bis 64-Jährigen um mehr als ein Fünftel (etwa 22,8 %) abnehmen. Mit Zuwächsen in dieser Altersgruppe können lediglich einzelne Gemeinden, insbesondere in den Landkreisen Weimarer Land, Eichsfeld sowie dem Saale-Holzland-Kreis, rechnen. In etwa jeder vierten Thüringer Kommune wird hingegen ein Rückgang der Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter um 35 % und mehr erwartet.

Darüber hinaus verweisen die Ergebnisse der 1. GemBv auf eine sich fortsetzende Alterung der Thüringer Bevölkerung. Bis zum Jahr 2040 wird die Zahl der Personen im Rentenalter (65 Jahre und älter) thüringenweit um etwa 10,8 % zunehmen. Auch in dieser Altersgruppe sind jedoch deutliche regionale Unterschiede erkennbar (vgl. Abb. 4).

Abb. 4: Bevölkerungsentwicklung in der Altersgruppe 65 Jahre und älter in den Gemeinden Thüringens von 2019 bis 2040

Rückgänge bzw. nur leichte Zuwächse bei der Zahl der Personen im Rentenalter sind für Gemeinden im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge sowie in Teilen Nord- und Ostthüringens zu verzeichnen. Im Landkreis Eichsfeld, dem Umland von Erfurt, Weimar und z. T. auch Jena sowie im Südwesten Thüringens sind in dieser Altersgruppe hingegen deutliche Zuwächse von mindestens 20 % zu beobachten.

Weitere Informationen zur 1. GemBv finden Sie in den detaillierten Ergebnissen zur Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2040 nach Gemeindegrößenklassen.

Fazit

Die 1. Gemeindebevölkerungsvorausberechnung liefert detaillierte Informationen zur demografischen Entwicklung vor Ort in den kommenden Jahren und bietet damit eine umfassende Grundlage für künftige Planungen der Thüringer Gemeinden.

Hinweis: Zur Vervollständigung der dargestellten Karten wurden für die kreisfreien Städte die fehlenden Werte mithilfe von Daten der 2. rBv ergänzt.

Hinweis des TLS: Die vorgelegten Bevölkerungsvorausberechnungen sind als Modellrechnungen zu verstehen, die die demografische Entwicklung unter bestimmten Annahmen zu den Geburten, Sterbefällen und Wanderungen in die Zukunft fortschreiben. Die Annahmen beruhen überwiegend auf der Analyse der bisherigen Bevölkerungsentwicklung im Zeitraum 2017 bis 2019. Vorausberechnungen sollten deshalb nicht als exakte Vorhersagen missverstanden werden. Sie zeigen lediglich, wie sich die Bevölkerung unter bestimmten, aus heutiger Sicht plausiblen Annahmen in Zukunft entwickeln würde.

Das TLS bietet auf seiner Homepage vollständige Übersichten zu den Ergebnissen der 1. GemBv für einzelne Gemeinden.