Barrierefreiheit in Thüringen – Teilhabe für alle

2. Regionalkonferenz "Ohne Umwege zur Teilhabe – Barrierefreiheit als Leitprinzip moderner Verkehrspolitik"

10. Juni 2026 von 10:00 bis 16:00 Uhr im Congress Centrum Suhl

Staatssekretär Dr. Tobias J. Knoblich betonte in seinem Grußwort den Nutzen einer barrierefreien Umgebung für alle Menschen: „Jeder Mensch, unabhängig von Alter, körperlicher oder geistiger Einschränkung, sollte die gleichen Chancen haben, sich frei zu bewegen und am öffentlichen Leben teilzuhaben.“

"Barrierefreie Mobilität" ist dabei ein wichtiger Baustein. „Mobilität ist mehr als die einfache Möglichkeit, von A nach B zu gelangen. Sie ist ein zentrales Element gesellschaftlicher Teilhabe, wirtschaftlicher Aktivität und sozialer Integration.“ so Dr. Knoblich weiterSie ermöglicht allen Menschen die gleichberechtigte Teilhabe am Alltag, am Arbeitsleben und an der Gesellschaft.

Als Fazit seiner Ausführungen hält der Staatssekretär fest: „Barrierefreiheit ist der Schlüssel, damit niemand ausgeschlossen wird.“

Mit der 2. Regionalkonferenz im Themenjahr „Barrierefreiheit in Thüringen – Teilhabe für alle“ wurden diese Aspekte vertieft diskutiert.

Nach der Begrüßung durch den Leiter der Serviceagentur Demografischer Wandel (SADW), Herrn Dr. Olaf Zucht, übernahm Frau Anne Tallig (SADW) die Moderation der Konferenz. In seinem Grußwort unterstrich Herr Staatssekretär Dr. Tobias J. Knoblich (Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur, TMDI) die Bedeutung, das Thema Barrierefreiheit als Leitprinzip moderner Verkehrspolitik stetig weiterzuentwickeln, um Thüringen zukunftsfest zu machen und allen Menschen gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.

Herr Prof. Dr.-Ing. Carsten Kühnel von der Fachhochschule Erfurt erläuterte in seiner Keynote zum Thema „Barrierefreie Mobilität im ländlichen Raum – Im Spannungsfeld zwischen Ressourcenknappheit und Know how“, dass Barrierefreiheit von Anfang an Teil des Fortschritts sein muss, und es Aufgabe ist, dabei Fortschritt und Teilhabe gemeinsam – auch unter Nutzung von Künstlicher Intelligenz – zu denken. In seiner Vision für ein „Thüringen 2050“ sind vielfältige Möglichkeiten zur Gestaltung vorausgedacht.

An eine kurze Kaffeepause, die bereits rege zum Netzwerken genutzt wurde, schloss sich die Workshopphase an. In moderierter Kleingruppenarbeit konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei thematischen Workshops gemeinsam diskutieren und Erfahrungen austauschen. 

Workshop 1 beschäftigte sich unter der Leitung von Frau Alyssa Birk, der Kommunalen Beauftragten für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Greiz und Frau Andrea Grassow von der LIGA Selbstvertretung Thüringen e. V. unter der Überschrift „Barrierefreiheit im Praxistest: Schwachstellen entlang der Mobilitätskette erkennen“ u. a. mit den Stärken und Schwächen der Anreisewege zur Konferenz. Hierfür wurden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vorfeld gebeten, ihren Anreiseweg auf einem Fragebogen zu dokumentieren.

Workshop 2 mit dem Titel „Von der Strategie zur Umsetzung – kommunale Perspektiven auf barrierefreie Mobilität“, geleitet von Frau Nicole Briechle, der Kommunalen Beauftragten für Menschen mit Behinderungen im Wartburgkreis und Frau Carolin Urban vom TLMB, befasste sich u. a. mit dem Inklusionsplan des Wartburgkreises zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. 

In Workshop 3 „Infrastruktur für Alle – Barrierefreiheit in Verkehrsplanung und Bau“ unter der Leitung von Herrn Dipl.-Ing. Raimo Harder von der Bauhaus-Universität Weimar wurden nach dem Austausch persönlicher Erfahrungen der Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Leitfragen, u. a. die Herausforderungen barrierefreier Mobilität sowie digitale Unterstützungsmöglichkeiten diskutiert.

Zum Abschluss der Workshopphase präsentierten die jeweiligen Workshopleitungen die Ergebnisse ihrer Gespräche. Hervorgehoben wurde der intensive Austausch in allen Workshops, bei dem auch persönliche Erfahrungen vorgetragen und konkrete Wünsche zur Verbesserung der Barrierefreiheit in Thüringen für die anwesenden Aufgabenträger gesammelt wurden.

Während der Mittagspause präsentierte die Firma BURRI/smartSTOP mit einem barrierefreien Haltekantensystem einen praktischen Lösungsansatz. Das Schweizer Unternehmen, vertreten durch Herrn Andreas von Euw und seine Kollegen, bietet vielfältige Lösungen zum Abbau von Hindernissen und mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. 

Der Pause schloss sich der Impulsvortrag „Barrierefreies Reisen mit der Bahn – Status quo, Potenziale und Herausforderungen“ von Herrn Sascha Wawereck von der DB InfraGO AG an, in der Herausforderungen sowie aktuelle Vorhaben zur Herstellung der Barrierefreiheit im Schienenbereich vorgestellt wurden.

Auch Herr Dennis Petschner, Thüringer Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen (TLMB), ließ es sich nicht nehmen, alle Anwesenden noch einmal mit einem kurzweiligen Grußwort willkommen zu heißen.

Das abschließende Bus-Bahn-Gespräch – eine Talkrunde mit Vertretern aus der Praxis – eröffnete interessante Einblicke in den Alltag bei Bus und Bahn. Herr Sascha Wawereck (DB InfraGo AG), Herr Andreas Heiroth (Eichsfeldwerke Bus GmbH), Herr Marcel Will (Städtische Nahverkehrsgesellschaft mbH Suhl/Zella-Mehlis), Herr Andreas von Euw (Firma BURRI/smartSTOP Schweiz) und Herr Dennis Petschner (TLMB) standen dem Publikum zu zahlreichen Fragen und Anregungen Rede und Antwort. Die Resonanz der Diskussion verdeutlichte einmal mehr die Wichtigkeit der Thematik „Barrierefreiheit“, egal in welcher Region Thüringens – ob in der Stadt oder im ländlichen Raum.

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Herr Dr. Zucht allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und verabschiedete sie nicht ohne einen Ausblick auf die folgenden Konferenzen der SADW in diesem Jahr. Am 9. September 2026 wird die nunmehr 3. Regionalkonferenz im aktuellen Themenjahr in Gera/DHGE-Schloss Tinz stattfinden. Die das Themenjahr abschließende Thüringer Demografiekonferenz ist für den 9. November 2026 im Steigerwaldstadion Erfurt geplant. 

Hintergrund: Mit dem demografischen Themenjahr lenkt die SADW den Blick auf die vielfältigen Formen und Ausprägungen von Barrieren im Alltag. In Thüringen leben etwa 400.000 Menschen mit Behinderung, das sind ca. 20 Prozent der Bevölkerung. Für diese Personengruppe ist Barrierefreiheit die Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe. Die demografische Entwicklung im Freistaat wird in den kommenden Jahren zu einer weiteren Alterung der Bevölkerung führen. Damit wird die Zahl der Betroffenen in Zukunft steigen.

Von weniger Barrieren im Alltag profitieren jedoch alle im Freistaat – sei es die ältere Generation, junge Eltern mit Kinderwagen oder Reisende mit schwerem Gepäck. Barrierefreiheit ist somit keineswegs nur eine solidarische Haltung, sondern umfasst das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe und bietet zusätzlich eine hohe Nutzerfreundlichkeit und damit mehr Qualität für alle.